Auf schmalen Brettern durch den Schnee

January 29, 2018

 

Leutasch/Berlin - 20. Januar. Mitten in der Nacht in Berlin. Der Winter ist weit weg. Anna und ich machen uns auf den Weg nach Österreich. Eine Woche Urlaub wartet auf uns. Doch wer uns kennt weiß, dass es ein Aktivurlaub wird. Was erleben. Was entdecken. Was Neues erlernen. Vor allem für mich soll das gelten, denn wir wollen zum Langlauf nach Leutasch kurz hinter der Bundesgrenze. Anna hat schon Loipen-Erfahrung, aber mir war Langlauf bisher ein Fremdwort. Doch bevor wir die Bretter anschnallen, liegen noch 10h Fahrt, Stau und Schnee vor uns. Egal...los gehts. In Leutasch angekommen leihen wir erstmal Material aus. Skating-Langlauflatten, Stöcker, Schuhe und ab geht’s. Bei tollen Bedingungen rein in den Schnee. Fast zwei Stunden kreiseln wir. Anna zieht öfter mal davon, aber meine ersten Gehversuche könnten auch schlechter sein. Spaß macht´s ohne Ende 😉 Dunkel wirds. Der Tag geht zu Ende. Wir sind KO. Ab ins Bett.  

 

21. Januar. Die Nacht hat es durchgeschneit. Mehr als 50cm Neuschnee sind gefallen. Langlauf fällt erstmal aus. Also Wandern. Ein paar Kilometer stapfen wir durch den Schnee. Schneeballschlachten inklusive. Dann Mittagspause. Aber Tiefschnee soll uns den Spaß am Langlauf nicht nehmen. Also auf geht’s zur großen Runde. 17km gegen den Wind, hinweg über Schneeverwehungen. Eine Plackerei mit gutem Ausgang: Anna und ich sind geschafft und genießen Süßes und Selbstgekochtes um uns herum. Haben wir uns verdient, denken wir und fallen schon ins Bett 😊 

 

22. Januar. Täglich grüßt das Murmeltier. Schnee gab es wieder genug über Nacht. Trotzdem stapfen wir raus auf die Loipe um im "Tiefschnee" zu skaten. Quer durch den Wald verläuft die vollgeschneite Loipe und vor allem die Anstiege machen mir immer wieder zu schaffen. Erstmal Mittagspause. Am Nachmittag geht’s nochmal raus. Wieder mehr als 15km. Jetzt zeigen sich die Loipen von ihrer tollen Seite. Der Spaßfaktor macht einen Sprung nach vorne und wir rauschen der 70-KM-Marke entgegen. Bei Nudeln und Hack geht der Tag völlig kaputt gespielt für uns beide zu Ende.  
 
23. Januar. Heute geht´s rauf auf den Berg. Zwischendurch halten wir noch einen kurzen Schnack mit den Schweizer-Jugend-Nationaltrainern. Nachdem wir mit den beiden eine kleine Runde zusammen unterwegs waren, bekommen wir tolle Tipps. Stöcker enger, mehr Abdruck und ab geht’s. Nach knackigen Anstiegen gibts in der Mittagspause Kaiserschmarn und Tee zur Belohnung und dann sind uns da noch diese Wegweiser im Gedächtnis geblieben: „Gefährliches Gefälle“. Es ging steil bergab. Leutasch kann auch Grenzerfahrung sein 😉 

24. Januar. Heute starten wir früher auf die unbefahrenen Strecken und es geht raus aus Leutasch. Am Ende machen wir den Vormittag zu einem spontanen Halbmarathon und sind selbst ein wenig erstaunt, wie grandios die Latten laufen. Am Nachmittag düsen wir nichts ahnend in die andere Richtung. Zwischendurch ein paar Straßenübergänge und Loipen-Querungen. Am Wendepunkt angekommen spricht uns Tommy an. Fotograf und für den neuen Tourismusflyer der Olympiaregion Seefeld unterwegs. Er ist auf der Suche nach Aufnahmen von Oben. Das Wetter passt super und wir sind natürlich dabei. Schwupps schraubt er seine Drohne samt Kamera zusammen. Mit Doppelstockschub schieben Anna und ich an. Tommy nimmt uns auf.  Die Bilder sind im Kasten und wir skaten zurück gen Unterkunft. Ein einmaliger Tag. 
 
25. Januar. Von den Bergen haben wir noch nicht genug. 600 Höhenmeter warten heute auf uns. Zwischendurch begegnen wir Profiathleten der verschiedensten Nationen. Die Vorboten vom Langlauf-Weltup im Nachbarort Seefeld. Wir düsen in kalte Täler, durchfahren Nebelbänke und tanken ganz viel Sonne. Die Region ist ein Winterwonderland. Von den leichteren Routen sind wir jetzt allerdings weit weg. Es geht eher steil rauf und gefühlt halsbrecherisch hinab. Manchmal klatschen wir auch der Länge nach hin. Aber abklopfen und weiter geht’s. Es macht zu viel Spaß. Wir kreiseln Extrarunden und greifen Strava-Segmente ab. Anna schafft es sogar zwei CR´s zu haschen. Weltklasse. Am Ende des Tages stehen fast 42km im Buche. Die Beine wollen jetzt Ruhe und der Hals bekommt das wohlverdiente Gösser-Radler. 😉 

 

26. Januar. Unser letzter Langlauf-Tag. Wir haben die 200km fest im Blick. Das hätte ich am Anfang der Woche nicht für möglich gehalten. Doch der Riesenspaß am gemeinsamen durch den Schnee feuern, beflügelt die lahmen Beinmuskeln nochmal deutlich. Also am Vormittag links auf die Strecke und nachmittags nach rechts weg. Zwei Runden mit etwas mehr als 17km kommen so zusammen. Geschafft! 15h Stunden skaten und ein paar Stunden Pause im Schnee machen ein grandioses Erlebnis. Danach hieß es: Ran an die Loipen-Baude und heiße Marille mit Sahne bestellen. So lässt sich das Ende einer tollen Wintersportwoche so richtig genießen.

27. Januar. Abreisetag. Einen Zwischenstopp in Seefeld beim Langlauf-Weltcup können wir uns allerdings nicht verkneifen. Heute sind wir Zuschauer und bewundern bei herrlichem Sonnenschein die unglaubliche Geschwindigkeit der Sprint-Profis auf den schmalen Brettern. Die Olympiaregion Seefeld-Leutasch glänzt am Ende unseres Urlaubes noch einmal mit Kaiserwetter und besten Schneeverhältnissen. Spät in der Nacht trudeln wir glücklich und zufrieden in Berlin ein. Der Norden hat uns wieder. Aber Eins ist sicher: Leutasch ist mehr als nur eine Reise wert. Wir kommen wieder, um mehr von Europas größter Langlauf-Region zu entdecken.  

 

Pfiat Enk 😉 

 

 

 

 

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