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BestZeit-Marathon München 2017 - ein Zeitsprungexperiment

October 31, 2017

München - 29.10.2017 - Sonntag 1uhr Nachts

Sturmböen, Regen und kalte Luft um 7°C. Die nasse Laufhose klebt an meinen Beinen. Der Wind drückt mir die dünne Plastikkapuze an die kalten Wangen und die Regentropfen prasseln mir ins Gesicht. "Warum mach ich das?", denke ich mir und lehne mich noch stärker gegen den Wind. Die anderen Läufer vor und hinter mir müssen ähnliche Gedanken haben. Ich spüre meine klammen Finger. Noch 16 Runden zu laufen. Hilft alles nix - mehr Druck Junge.

 

6h vorher - Samstag Abend

Wir gammeln zu dritt bei Sven und Antonia in München auf der Couch und haben nach einem üppigen Mittagessen ein paar Gläser Zirbenschnapps getrunken, damit die Verdauung in Schwung kommt. Im Fernsehen läuft Greys Anatomie, Hund Jimmy döst neben uns und zwischendurch erinnert uns das Fernsehen, dass in der heutigen Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 2017 die Zeit eine Stunde zurückgedreht wird.

Zeitumstellung? München? In meinem Kopf blitzt es auf. "Mensch vor einer Weile hab ich von einem Marathon gehört, der in der Zeitumstellungsnacht gelaufen wird. Dadurch kommst du dann auf eine super Endzeit.", berichte ich den beiden. Sven nickt. Auch schon mal gehört. Und nun? Google hilft. Vermutung Bestätigt. Heute Nacht. Und nun? Nach dem nächsten Zirbenschnapps steht die Entscheidung. Machen! Wir sind zwar in 40min mit Freunden beim Koreaner zum Abendessen verabredet aber ich nehme meinen Rucksack mit dem hektisch zusammengeschmissenen Laufequipment mit. Noch blicken mich die beiden ungläubig an.

 

Um 19uhr sitzen wir beim Koreaner, bestellen Bibimbap und quatschen vergnügt in bunter Runde. Unterm Tisch warten Jimmy und Max, dass auch für sie etwas abfällt. Fällt aber nicht. Ich werde langsam nervös, esse aber artig auf. Meine Hoffnung, damit noch in letzter Sekunde Einfluss auf das nächtliche Wetter nehmen zu können, wird sich später als Hirngespinnst herausstellen. Nach dem Essen verabschiede ich mich und fahre mit den Öffis und meinem Rucksack zum Riemer Park (BuGa Gelände). Jetzt wird es ernst und ehrlich gesagt glimmt in mir die Hoffnung, dass kein freier Startplatz mehr zur Verfügung steht. Teilnehmerlimit ist immerhin 250. Eine Viertelstunde später bin ich angemeldet. Scheiße. Da es vor Ort stürmt und bereits leicht nieselt, beschließe ich die verbleibenden 2h bis zum Startschuss dafür zu nutzen, um mir noch schnell eine lange Laufhose und ein Handtuch von Michi zu borgen. Dafür muss ich mit der Bahn zurück in die Innenstadt, zu Michi latschen, zurück zur Bahn und wieder raus zur Rennstrecke fahren. Immerhin nicht 2h im Wind stehen.

 

Als ich wieder an der Rennstrecke eintreffe, ist es 23:45Uhr. Ich ziehe mich in windeseile um. Wind ist auch das Stichwort, als ich mir meine Zeitchips an die Schnürsenkel fummle, mir eine Packung Taschentücher in die Jackentasche stecke, die Stirnlampe aufziehe, mir 2 Ersatzjacken griffbereit in einen Beutel neben das Taschen-Abgabe-Zelt deponiere, meinen Rucksack abgebe und die 20m zu Startbogen gehe. Der Cheforganisator ruft ins Megaphone, dass wir in 3min starten. Scheiße. Jetzt pinkeln oder die Startnummer festmachen? Startnummer! Als ich mir grade den Reißverschluss der Jacke hochziehe, zählt der Megaphone-Mann auch schon die letzten 10sek runter. Peng! Und auf einmal rennen alle. Wir tun es wirklich. Scheiße.

 

"Die genauen Mechanismen sind leider noch unerforscht. Aber ein physikalisches Phänomen am letzten Oktoberwochenende eröffnet listigen Marathonläufern die einmalige Chance, ihre Marathonbestzeit aufzustellen.", so sagt es der Veranstalter auf seiner Webseite. Und genau darum geht es jetzt. Normalerweise ist mit dem Startschuss auch jedes schlechte Wetter vergessen und wir Läufer laufen einfach. Der Wind und der Regen im Riemer Park tun allerdings ihr Bestens um ein allgegenwärtiger Teil dieser Veranstaltung zu sein. Vor allem gegen den Wind ist kein Kraut gewachsen. Egal. weiter. Zu erst mit einer konstanten 5er Pace. Ab km22 dann schon eher mit 5:20er und ab km32 dann immer irgendetwas um die 6er Pace. Noch nie hatte ich so einen konstant hohen Gegenwind, der mir die Kraft regelrecht aus den Waden saugt. Egal. Stumpf ist Trumpf. Laufen, warme Isogetränke, Runde für Runde. Und dann war es endlich vorbei. Meine Garmin zeigt 3:46:19 an. Der Zeittunnel ist da allerdings anderer Meinung. Und ich? Ich bin einfach nur zufrieden, dass alles gut geklappt hat.

 

Der BestZeitMarathon ist sicher eine Veranstaltung die mit einem Augenzwinkern zu genießen ist. Aber als ich erlebt habe, mit wie viel Energie und Herzblut alle Beteiligten und Helfer hier bei der Sache sind, war ich mir sicher: Hier sind leidenschaftliche Läufer am Werk. Die Orga, die Fürsorge und die gute Laune waren vorbildlich und ich kann nur erahnen, welch fabelhafte Stimmung hier herscht, wenn letzlich auch das Wetter mitspielt. Hier war ich nicht zum letzten Mal. Druck&Dampf kommt wieder. Vielen Dank auch nochmal an Toni, Sven und Michi. Ohne euch wäre es nicht gegangen.

Ahoi, Euer Basti

 

 

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