Werbelinsee Triathlon - 3er Pasch ist Trumpf

June 25, 2017

Berlin – Eines Abends kam der Lange zu uns – sicherlich floss da schon das eine oder andere Bier die trockene Kehle herunter – und fragte uns: „wollen wir eigentlich mal einen Staffel-Triathlon machen?“„Klar!“, kam es einstimmig aus unseren Mündern (Tammsi und Tommel). So entschied sich nach ein wenig herumgeknobel, wer welche Disziplin übernehmen sollte. Tommel sollte als Schwimmer beginnen, anschließend das Zepter an den Langen Radelkönig übergeben, der dann wiederum unseren Schlusssprinter Tammsi auf die Strecke schicken sollte. Aber welche Strecke sollte her? Sprint? Dafür stehen wir doch gar nicht erst auf. Olympisch? Ist weder Fisch noch Fleisch. Der „Halbe“? Hm das klingt interessant, dachten wir. Gesagt, getan. Es sollte also der „Halbe“ werden. Das bedeutete 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21 km Joggen.

 

So begann für jeden von uns das Training. Wir merkten schnell: auch für einen Teamwettkampf muss sich jeder selbst quälen. Mehr oder weniger wurden Meter im Schwimmbad, auf dem Rad oder durch den Matsch zurückgelegt. Leistungen wurden gesteigert, an Techniken gefeilt und Zeiten verbessert. Schließlich kam es zum Showdown – 25.06.2017 Triathlon am Werbelinsee!

 

Part 1 - Tommel

Aufstehen morgens 5:30 Uhr, rein ins Auto und den Langen abholen. Tammsi reiste mit seinem Gefährt und dem Rad vom Langen aus Potsdam an. Um 7:30 Uhr am Werbelinsee angekommen gab es die erste Begehung der Strecke. Der nervöse Magen ließ nicht lange auf sich warten und dann hieß es auch schon während der Einweisung für mich den Neopren anzupellen. Nach einigen Tipps vom Methusalem des Triathlons (dem Langen), gab’s den kurzen „Wasser-Wolfühl-Test“ und nun kannte die Nervosität kein Halten mehr. Die Hand schlackerte als wäre ich trockener Alkoholiker beim Anblick eines Freibierfasses, während sich Tammsi gemütlich Löffel um Löffel Kohlenhydrate hineinschaufelte. Es folgten noch ein paar beruhigende Worte von den Supportern und dem Team und dann ging es auch schon an den Start. 8:30 Uhr erklang der Startschuss und 100 haiartige Geschöpfe schmissen sich für den „Halben“ ins Wasser. Die ersten Tritte wurden verteilt und kleine Wellen schlugen ins Gesicht. Draußen schwimmen ist doch etwas Anderes, dachte ich.

Von der sich automatisch bildenden Kette, von der der Lange gesprochen hatte, habe ich die ganzen 1,9 km nichts mitbekommen. Ich hatte das Gefühl, dass ich neben dem Feld anstatt mittendrin schwamm. An der ersten Wende zog mich ein Konkurrent an der Schulter zurück und es folgten über die gesamte Strecke immer wieder Versuche auch meine Beine zu erwischen, welche weitestgehend abgewehrt werden konnten.

Dieser Schwimmparcour hatte die Besonderheit eines Landgangs. Nach der ersten Runde hieß es demnach raus aus dem Wasser und wieder rein auf die zweite Runde. Nun hatten sich die Wellen deutlich gesteigert und ich schluckte Wasser wie der Uckermärker seine Goldkrone. Nach der zweiten Runde ging es wieder raus aus dem Wasser und ca. 400m durch das nahegelegene Stadion zum Langen um den „Staffelstab“ in Form eines Transponders zu übergeben. Kaum war der Staffelstab um sein Bein geschnallt, sprang er aufs Rad, war weg und auf ging die wilde Fahrt.

 

Part 2 - der Lange

Kurz nachdem ich auf dem Rad saß wurde mir schnell klar Brandenburg hat Berge, harte Berge, lange Berge. Das ist eindeutig nichts für schwere Jungs. Ich konnte immer nur an eins denken – trete Junge, du musst einfach immer weiter treten. Über die gesamten 90 km kam es zu einem dauernden Wechselspiel zwischen überholen und überholt werden. Damit konnte ich leben und hatte damit gerechnet. Was mir allerdings sauer aufstieß, waren die unzähligen Windschatten-Anbeter. Eigentlich war das Windschattenfahren ausdrücklich von der Rennleitung untersagt. Daher wollte ich als Rookie auf der Strecke absolut kein Risiko eingehen und dafür der Auslöser sein, dass mein gesamtes Team disqualifiziert wird. Ich ging also auf Nummer sicher, hielt mich als einsamer Einzelkämpfer und fraß Kilometer um Kilometer Asphalt während die Windschatten-Karavanen an mir vorbeidüsten. Nach drei geglückten Wenden auf unebenen Boden kam ich wieder in der Wechselzone an, schnappte mir meinen Drahtesel und trug ihn die Stadionrunde bis zum zweiten Wechsel. Dort erholte sich Tammsi noch vom 32. Toilettengang und scharrte bereits mit den Hufen.Nachdem ich den Staffelstab übergab, dachte ich: Läuft bei mir……..Blut aus der Nase? War auch so. Aber schließlich musste ich feststellen, dass die 90 km mit meinem Bock doch ganz gut runtergingen im Vergleich zu den zahllosen Zeitfahrmaschinen. Und bis zur Leistungsgrenze war ich wohl auch gegangen, dachte ich mir als ich mir lächelnd das Blut aus dem Gesicht wischte.

 

Part 3 - Tammsi

Und nun war ich also dran - setzte einen Fuß vor den anderen und bekam sofort ein gutes Gefühl. Das könnte heute was werden mit meinem selbst gesteckten Ziel - der Halbmarathon unter 100min. Augenblicklich kamen mir die vielen Trainingseinheiten ins Gedächtnis und die Motivation stieg. Schließlich wollte ich die Jungs in unserem Team Druck&Dampf nicht enttäuschen – also Vollgas. Zum Glück hatte ich vor dem Lauf genug Zeit mich reichlich zu stärken und die Nervosität auf anderen Wegen freien Lauf zu lassen. Die Strecke verlief fast die ganze Zeit am Wasser entlang durch den Wald. Es gab zwei Wenden, also hieß es zwei Mal hin und zurück. Es ging auf und ab und fühlte sich wie ein Crosslauf an, der schließlich bis in meine Waden vordrang. Okay, aber die Musik die ich mir auf die Ohren gönnte wird mich schon pushen, dachte ich. Denkste! Nach kurzer Zeit hielt mich ein Ordner an und forderte mich auf, die Kopfhörer abzulegen, da es sich hierbei um unerlaubte Hilfsmittel beim Triathlon handelte. An der Wende gab es dafür monströse Proteinriegel, mindestens 100g, von denen ich gerne welche mit nach Hause genommen hätte. Aber ging nicht, alles Gewicht. Auf dem Rückweg waren die Strapazen des ersten Abschnitts vergessen und es ging fast nur noch bergab. Vielleicht half auch der Läufer vor mir, der unfreiwillig als Hase funktionierte. So gingen meine ungeliebten Kilometer 5 -10 runter wie Öl.

An der zweiten Wende angekommen motivierten mich nochmals die unbändigen Anfeuerungsrufe meiner Kumpels. Ich nahm die Beine in die Hand und verschwand erneut im Wald, wo mich relativ schnell die eben noch gewonnene wieder Euphorie verließ. Meine Muskeln wollten Schluss machen und ich verfluchte das fehlende Bergtraining, die zu kurzen Trainingsstrecken (max. 11km) und das zu leckere Feierabendbier. Doch genau in diesem Augenblick prasselte überraschend ein Platzregen über die Wettkampfstrecke und gab mir noch mal Schub. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass das mein Highlight des Rennens werden würde, aber zu diesem Zeitpunkt bei Kilometer 13 brauchte ich einfach diese kühle Dusche um nochmal alles aus mir herauszuholen. Alle anderen Läufer um mich herum schienen abzukotzen, nur ich zog freudestrahlend meinen Laufschuh durch. Jetzt kam auch endlich dieser Spaß ins Spiel von dem alle immer geredet hatten. Der letzte Abschnitt lief wie geschnitten Brot. Das Ende kam mit großen Schritten näher und die Vorfreude auf das Ziel schließlich war größer als die Schmerzen in den Beinen. Als ich mit einer Zeit unter 1:44 h durch das Ziel kam, war ich aufgrund der Strecke sehr zufrieden.

 

Fazit

Insgesamt wurden wir 16. von 28 Teamstaffeln auf dieser Distanz. Es war ein Highlight durch und durch. Viel Aufregung, Anstrengung und Schweiß hatte der Werbelinsee an diesem Tag von uns gesehen. Es war ein super Event und wir waren mit unseren Leistungen sowohl Einzeln als auch auch im Team mehr als zufrieden. Schließlich haben wir festgestellt, dass der Spaß nicht zu kurz kommt und der „Halbe“ beim nächsten Mal vielleicht schon etwas zu kurz ist.

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